Interview mit Peter Muzak & Karo Riha 

Wie lange unterrichtet ihr schon hier?
Da ist natürlich gleich einmal die Frage zu stellen, ob sich das auf den Raum hier in der Apotheke, auf die Werkstätte, auf den heutigen Tag oder auf die Kunstschule als Ausbildungsstätte für bildende Kunst (im Geiste von Gerda Matejka-Felden) bezieht. Wir unterrichten seit 2010 Animation, Experimentalflm und zeitbasierte Kunstformen an der Wiener Kunstschule. 

Was ist die Kunstschule für euch? 
Die Kunstschule ist eine Ausbildungsstätte für bildende Kunst mit einem niederschwelligem Zugang. Jungen Menschen, die gerne Kunst machen wollen, wird es so ermöglicht ,eine Orientierung und ihre eigene Richtung in der bildenden Kunst als Berufsbild, als „KünstlerIn“ zu finden. Jede kann kommen, ohne Aufnahmeprüfung oder Eignung wird die Eignung selbst und gemeinsam erarbeitet. 

Was ist das heurige Thema, das in eurer Werkstatt behandelt wird? 
In erster Linie sollen Studierende an ihren Themen arbeiten. Darüber hinaus haben wir noch eine Menge lösbarer rätselhafter Aufgaben zur Auswahl. Zum Beispiel „Porträt“ aber nicht als Abbild, sondern als Prozess gedacht. 

Findet ihr muss es immer einen Prozess geben in eurer Werkstatt? 
Naja. Alles im Leben entspringt ja einem Prozess bzw. ist als Prozess sichtbar, nicht nur wenn die Darstellung zeitbasiert ist. 

Welche Bedeutung hat der Prozess in deiner Arbeit als Lehrender an der kunstschule.wien?
Wie gesagt: Alles ist ein Prozess, einem Prozess unterworfen und in Bewegung. Nichts steht still. Auch wenn wir alle am Ende wieder am Anfang stehen. 

Was macht ihr, wenn einer eurer Student*innen das Gefühl hat, nicht weiterzukommen im Prozess? 
Zuerst einmal denke ich, dass das nicht möglich ist. Als Künstler*innen definieren wir eine künstlerische Aufgabenstellung und setzen uns ein Ziel. Wir schärfen den Blick der Studierenden in diese und zuvor genannte Richtung. Auch versuchen wir, in der Entwicklung und in der Planung die Möglichkeiten des Scheiterns mit einzubeziehen. Vielleicht kommen wir alle bei der Arbeit einmal in eine Art von Krise. Da scheint es so, als verliere sich der Sinn, die Bedeutung, oder vernebelt sich das Ziel. Dann setzen wir uns ruhig hin und betrachten den Verlauf und die Bewegung der Dinge in der Zeit. So offenbart sich der Fortschritt ganz von selbst. 

Wann weißt du, dass ein Prozess zu Ende ist? 
Irgendwann ist ein Ziel erreicht. Wenn ich irgendwo hin gehe, dann komme ich irgendwann dort an. Nun eröffnen sich neue Möglichkeiten, neue Ziele tun sich auf, außerdem werde ich dort nicht stehen bleiben, denn vermutlich muss ich wieder zurück z.B. nach Hause, muss essen, scheißen, mich fortpfanzen und schlafen. Der Prozess ist nie zu Ende. 

             Peter Muzak (Medienkünstler und Filmemacher) und  Karo Riha (Bildende Künstlerin in Film und Grafik)leiten die Werkstätte Animation und Experimentalfilm            

2. März 2019