Seit 2015 befindet sich die kunstschule.wien in einem Prozess der Entfaltung, nachdem sie mit sehr viel Eifer und Beharrlichkeit neu gegründet wurde.  Wie kam es dazu? Die Idee, das künstlerische Studium für alle zu öffnen, geht auf Gerda Matejka-Felden zurück und ist bis heute die treibende Kraft, nämlich das Erlernen und Aneignen der Fähigkeiten für künstlerisches, kreatives Arbeiten möglichst allen, die es damit ernst meinen, zugänglich zu machen. Mit den Händen zu formen, mit den Augen zu sehen und mit Worten zu artikulieren ist eine der Grundvoraussetzungen, sich im Leben zu orientieren und die Dinge selbstbewusst in die Hand zu nehmen.  
Die kunstschule.wien ist im Ottakringer Sandleitenhof, dem größten Gemeindebau des Roten Wien, angesiedelt und ist gewissermaßen auch ein Statement für die lebendige Tradition der Sozialdemokratie und ihre Werte in Bezug auf Chancengleichheit. Diese Tradition wird hier gelebt und muss in der Zusammenarbeit zwischen Lehrenden und Studierenden immer wieder genährt und gepflegt werden. Die Anforderungen des Curriculums werden mit der Förderung individueller Fähigkeiten in Verbindung gebracht. 
Die kunstschule.wien kann sich nach ihrer Neugründung deshalb behaupten, weil ein eiserner Wille dahinter steht, eine Ausbildung mit hoher Qualität und offenem Zugang anzubieten. Die kunstschule.wien ist stets in Bewegung: Sich zu vernetzen, international auszutauschen, neue Wege auszuprobieren und dynamische Geister zu finden, ist Teil des Prozesses des Wachsens und Werdens.

Ula Schneider, Direktorin seit Oktober 2018

Diese Anforderungen zu meistern, erfordert bis heute von allen Beteiligten großen Einsatz und Idealismus. Wir erbringen eine Leistung im Bereich der Bildung, die üblicherweise durch die öffentliche Hand getragen und honoriert wird. Da dies nicht so ist und sich die kunstschule.wien durch Studiengebühren selber tragen muss, arbeiten wir in gewisser Weise unserem Ziel der Chancengleichheit entgegen. In dieser Spannung jedes Jahr zu wachsen und mehr Vielfalt und Vertiefung in der Ausbildung zu bieten, ist ein dynamischer Prozess, der allen Verantwortlichen viel abverlangt. 

Dass dieser Weg seit 2015 in Sandleiten beschritten werden kann, ist auch der guten Partnerschaft mit dem Bezirk zu verdanken. Die dank der Unterstützung des Bezirks Ottakring gelungene Übernahme der ehemalige Apotheke im Sandleitenhof erweist sich als Glücksfall, der uns befähigt, die Tradition des Wiener Gemeindebaus und die Ideale des Roten Wiens in die Gegenwart weiterzutragen und neu zu beleben. 

Es bleibt zu hoffen, dass die Wurzeln tiefer wachsen werden und sich auf diesem Boden ausbreiten können. Ca. 120 Studierende und 25 Lehrende bereichern mit ihrem Einsatz täglich das kulturelle Leben in diesem Viertel und werden in Zukunft dort ihre Spuren durch kreatives Werden und Wachsen hinterlassen.    

Eliane Huber Irikawa, Präsidentin des Trägervereins wiener kunstschule seit 2015

5. Februar 2019